Therapiezentrum Ober-Ramstadt

Arztpraxis für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Jan  Schuhmacher  und  Kollegen

 Diese Methode ist in letzter Zeit im Bereich der Laien-Psychologie und in spektakulären Großveranstaltungen sehr "in Mode gekommen". Leider wird der Wert der ursprünglichen Form damit geschmälert oder sogar ins Gegenteil verkehrt, auf jeden Fall wird ohne Wirksamkeitsnachweis unglaublich viel Geld damit verdient. Die Sogwirkung, die von der Methode ausgeht, beruht in der Hauptsache aus Aha-Effekten, die durch die symbolische Visualisierung von Beziehungsstrukturen zustande kommen und aus starken emotionalen Reaktionen, die besonders unter dem Druck eines Gemeinschaftserlebens zustande kommen. Aber es gibt auch seriöse Varianten der Familienaufstellung. Die ursprüngliche Idee geht auf das "Psychodrama" nach J. Moreno und die "Familienskulptur" nach Virginia Satir zurück und wurden in den 50er und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts publik gemacht. "Die Praxis des Familienstellens gründet auf der Vermutung, dass grundlegende Beziehungen auf relationale Art und Weise (funktional bis dysfunktional) innerlich abgespeichert werden. Würden wesentliche (innerliche) Bezugspersonen aus dem Familiensystem (bzw. Platzhalter für diese) und deren räumliche Anordnung (zueinander) sichtbar in den äußeren Raum übertragen werden können, seien aus einer zu dieser System-Anordnung in Beziehung gesetzten (Bezugs- bzw.) Wahrnehmungsposition gewisse Muster (Verstrickungen) innerhalb des Systems zu erleben - Verstrickungen innerhalb des Systems, welche wiederum auf das Befinden wirken, bzw. die zu gestaltende Zukunft des eigenen Selbst (unbewusst) anleite(te)n" "Familienaufstellung findet meist in Gruppen von zehn bis zwanzig Personen statt. Einer, der etwas über sich erfahren möchte, meldet sich als Aufsteller. Der Therapeut befragt den Aufsteller zu seinem Problem, zu seiner aktuellen Lebenssituation, zu seinem aktuellen System (Gegenwartssystem) und/oder zu seinem Herkunftssystem (bis Groß- oder eventuell bis Urgroßeltern-Ebene). Dabei wird geklärt, welche Personen heute und damals in Bezug auf das geschilderte Problem eine wesentliche Rolle spielen könnten.
Für diese Personen möchte der Aufsteller aus den Anwesenden je einen Stellvertreter wählen. Er verteilt die Stellvertreter intuitiv im Raum – sodass sie in intuitiv „richtiger“ Beziehung zueinander stehen. Mittels des intuitiven Positionierens stülpt er gewissermaßen sein inneres Bild hinsichtlich der Relationen seiner Familienmitglieder (untereinander) auf räumliche Art und Weise nach außen (Erstbild). Und, dazu stellt er einen Stellvertreter, der für sein eigenes Ich (Fokus) steht, zu den anderen in räumlichen Bezug. Weil bei systemischer Aufstellungsarbeit davon ausgegangen wird, dass Symptomatik in loyalem Bezug (zu Einzelnen aus dem Familiensystem) entwickelt werde und „verstrickte“ Relationen (innerhalb des Erstbildes) darauf hinweisen, können diese (auch innerlich) aus distanzierter Position (dissoziiert) erlebt werden. Auch auf Grund der räumlich angeordneten Relationen zwischen den Stellvertretern (untereinander) können Gefühlsregungen oder Gedanken bei den Stellvertretern entstehen, die oft in verblüffender Weise spiegelbildlich zu repräsentierten Personen aus dem Familiensystem des Aufstellers seien. Dieses Phänomen wird in der Aufsteller-Szene als „Stellvertreterwahrnehmung“ bezeichnet. Die Angehörigen des Klienten würden im so strukturierten Raum der Wahrnehmungen gleichsam „psychisch“ Anwesende. Dabei würden „Verstrickungen“ deutlich: Aufgaben, die dem Klienten (unbewusst) aufgebürdet worden seien (Delegation) oder eine Systemdynamik, die er unbewusst (aus Loyalität) selbst entwickelt habe - die sein Leben dysfunktional präge." "Kritik an der Arbeit von Hellinger
Weil das eine oftmals nicht (gleichwertig) neben dem anderen stehen kann (bzw. möchte) und der Entwickler des Familienstellens (Bert Hellinger) konsequent (durch seinen Ansatz) gegen (derzeit) allgemein gültige Ideale, Lehrmeinungen und Konzepte verstößt, werden seine Person und seine Arbeit mitunter stark kritisiert. Von der Gruppendynamik (Rangdynamisches Positionsmodell nach Schindler, 1957) inspiriert, leitete Bert Hellinger das Modell der Ordnung in (sozialen) Systemen ab und insofern, dass "Überemanzipation" (sowohl des Kindes gegenüber Eltern wie auch der Frau gegenüber ihrem Mann) dysfunktionale Rangdynamik (aus Parentifizierung) im System generiere - diesbezüglich wird er stark angefeindet und ihm wird reaktionäres und „patriarchalisches“ vorgeworfen, Denken mit sehr rigiden Normvorstellungen sowie ein diesen Einstellungen entsprechendes sehr unsensibles und dirigistisches Handeln im Umgang mit „Patienten“. Bert Hellinger bietet nach erfolgten Interventionen bewusst keine Nachbetreuung an. Aus Irritation und Unverständnis über diese unübliche Vorgehensweise sind Kritiker der Meinung, er „behandele“ Hilfesuchende in „Massenveranstaltungen“ vor vielen ihnen fremden Menschen quasi im „Schnellverfahren“ und überlasse sie anschließend ihrem Schicksal - denn es könne bei den Beteiligten auch noch danach zu heftigen seelischen Erschütterungen, tiefer Verunsicherung bis hin zu Suizidgedanken kommen. Insofern fordern Gegner der Aufstellungsarbeit eine wissenschaftliche Überprüfung dieser Kurzzeittherapie. Außerdem ließ das Bedürfnis nach Abgrenzung eine Reihe von Familien-Therapeuten sich von ihm und seiner Arbeit öffentlich distanzieren." Zitate > Quelle: Seite „Familienaufstellung“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Januar 2012, 09:33 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Familienaufstellung&oldid=98551483 (Abgerufen: 19. Januar 2012, 23:56 UTC)

 

Familienaufstellungen