Therapiezentrum Ober-Ramstadt

Arztpraxis für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Jan  Schuhmacher  und  Kollegen

Heilpraktiker Heilpraktiker sind in Deutschland ein eigenständiger Beruf, der es erlaubt, ohne abgeschlossenes Studium die Heilkunde ausüben. Heilpraktiker verstehen sich meist als Heiler, die "alternativ" zur "Schulmedizin" (worunter die wissenschaftlich als wirksam nachgewiesenen Behandlungsmethoden gemeint sind), eine angeblich "sanfte" und "ganzheitliche" Behandlung anbieten. Manche Heilpraktiker sind wenigstens so ehrlich und benennen ihre Methoden als spirituell oder ähnlich, womit sie im Bereich der Mystik anzusiedeln sind. In den meisten Fällen entziehen sich die Behandlungsmethoden aufgrund der besonderen, dahinter steckenden Philosophie einer wissenschaftlichen Überprüfbarkeit, sodass deren positive Wirkung oft eher eine Art Glücksfall ist. Damit soll die Wirksamkeit einiger Methoden keinesfalls grundsätzlich infrage gestellt werden, lediglich deren Überprüfbarkeit, und somit leider oft auch die Überprüfbarkeit einer möglichen, schädigenden Wirkung und die für eine gezielte Behandlung notwendige Wiederholbarkeit einer Wirkung. Daher werden Heilpraktikern gerne Methoden, die eine "individuelle Wirkung", welche nicht auf andere Menschen übertragbar sei, als die einzig richtige Lösung glorifiziert. Ausbildung:
Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist nicht staatlich geregelt, es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Schulen, die sehr unterschiedliche Regelungen haben. Die durchschnittliche Ausbildungsdauer an Schulen liegt bei ca. 2-3 Jahren. Die Ausbildungsinhalte werden staatlich nicht überprüft. Nach Abschluss der Ausbildung wird eine Prüfung vor dem Gesundheitsamt abgelegt, die oft fälschlicherweise als "Heilpraktikerprüfung" bezeichnet wird. Dabei werden jedoch keinesfalls für das Arbeitsfeld relevante Fakten abgefragt, sondern es wird lediglich geprüft, ob der angehende Heilpraktiker für die Volksgesundheit eine Gefahr darstellt, oder nicht. Der Fragenkatalog umfasst lediglich 28 multiple-choice Fragen, anschließend findet eine ca. halbstündige bis maximal dreiviertelstündige mündliche Prüfung statt. Die Prüfungsinhalte ähneln sie denen einer Krankenpflegehelferinnen-Ausbildung, sind also vom medizinischen Wissensniveau ganz unten angesiedelt. Selbst nur schon die Ausbildung zur examinierten Krankenschwester wäre beispielsweise zum Vergleich dazu erheblich aufwändiger und vielfältiger. Es gibt auch die so genannten "kleinen Heilpraktiker" (die auch als Heilpraktiker "Psychotherapie" bezeichnet werden), die lediglich eine nicht-standardisierte, psychotherapieähnliche Ausbildung erworben haben, (deren Wirksamkeit nicht einmal erwiesen sein muss) und dann beantragen können, als Heilpraktiker, eingeschränkt für den Psychotherapiebereich tätig werden zu dürfen. Dabei dürfen sie jedoch nicht die Bezeichnung Psychotherapeut tragen dieser Titel ist geschützt und deren Missbrauch steht unter Strafverfolgung. Dennoch wird dies häufig ignoriert und es werden beide Titel von Heilpraktikern häufig missbräuchlich verwendet und führen Patienten gezielt in die Irre. Es wird suggeriert, dass die psychotherapeutisch tätigen Heilpraktiker eine den professionellen Psychotherapeuten gleichstehende Berufsgruppe seien, was aufgrund der äußerst mangelhaften Ausbildung der Heilpraktiker im Bereich der Psychotherapie jedoch keinesfalls der Fall ist. Heilpraktikern, die psychotherapeutische Angebote machen oder Hypnose anbieten, ist aus ärztlicher und psychologischer Sicht mit äußerster Vorsicht zu begegnen. Auch eine Vielzahl von schön klingenden Titeln und wichtig klingenden Ausbildungsgängen (wie z.B. "Practitioner of... oder Master of....."), die häufig auf Heilpraktikerwebseiten zitiert werden, führt häufig in die Irre. Um sicher zu gehen, ob die erworbenen Fähigkeiten einem geltenden Standard entsprechen, ist es empfehlenswert, sich an die kassenärztlichen Vereinigungen oder an die Psychotherapeutenkammer zu wenden und sich dort beraten zu lassen. PS: Ein Heilpraktiker wies mich darauf hin, dass ich zur differenzierteren Darstellung auch mitteilen sollte, dass es durchaus auch Heilpraktiker gäbe, die sehr fundierte Ausbildungen gemacht hätten. Dies räume ich hiermit ausdrücklich ein und betone, dass es mir bei meiner Darstellung nicht darum geht, den Berufsstand der Heipraktiker pauschal zu verurteilen! Mir ist klar, dass es auch bei Ärzten und Psychologen "schwarze Schafe gibt". Mir ist es nur wichtig, qualitative Unterschiede in den Ausbildungen transparent zu machen und vielfach ist das eben schwierig bei Verfahren, die nicht stadardisiert sind und sich einer ernshaften, wissenschaftlichen Überprüfbarkeit entziehen.